„Käse ohne Kuh“ durch Präzisionsfermentation: Zwei Fragen an Milch-Expertin Barbara Siegert.

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Autor
Marisa Elsäßer

INTERVIEW

„Käse ohne Kuh“ durch Präzisionsfermentation: Zwei Fragen an Milch-Expertin Barbara Siegert.

Interview mit Barbara Siegert.

Spätestens seit das Berliner Unternehmen Formo die größte Series-A-Finanzierung für ein Food-Tech-Startup in Europa eingesammelt hat, ist das Thema „Käse ohne Kuh“ zum heiß diskutierten Thema der Foodbranche geworden. Formo stellt aus Hefezellen naturidentische Milchproteine her, die dann in traditioneller Herstellung zu Käse weiterverarbeitet werden. Dieser soll authentisch und wie das Originalprodukt schmecken. Barbara Siegert ist Foodexpertin bei Munich Strategy mit langjähriger Managementerfahrung in der Milchwirtschaft. Wir haben ihr zwei Fragen zum Trend-Thema „Präzisionsfermentation“ gestellt.

„Käse ist eine Produktkategorie, in der Geschmack extrem wichtig ist. Käse muss ein sensorisches Erlebnis sein!”

Barbara Siegert, Food- und Packaging-Expertin bei Munich Strategy

Wie schätzt du aktuell die Erfolgschancen für Käse aus naturidentischen Milchproteinen ein? Denkst du, dass die Verbraucher:innen das Produkt annehmen werden?
Siegert: Ich sehe durchaus Chancen für dieses Segment, aus zwei Gründen. Erstens: Käse ist eine Produktkategorie, in der Geschmack extrem wichtig ist. Käse muss ein sensorisches Erlebnis sein! Viele pflanzliche Käsealternativen konnten diesen guten Geschmack bisher nicht bieten. Zweitens: Käse aus naturidentischen Milchproteinen ist kein Ersatzprodukt. Wer sagt „Ich ersetze die Milch“, landet schnell in der Kategorie „Analogkäse“. Dieser hat bei vielen Verbraucher:innen noch ein minderwertiges Image. Käse aus Mikroorganismen dagegen ist näher am traditionellen Prozess der Käseherstellung und kann den Verbraucherwunsch nach Ursprünglichkeit und Natürlichkeit möglicherweise besser erfüllen.
Warum sind solche (Food-Tech)-Ansätze jetzt plötzlich für Investor:innen so interessant? Wieso sammeln die Unternehmen jetzt so viel Geld ein?
Siegert:  Auch hierfür gibt es mehrere Gründe. Investoren, die in Food investieren wollen, suchen generell nach Unternehmen mit technologischem USP. Also Unternehmen, die ein technologisches Verfahren entwickelt haben, das dann auch über Patente geschützt werden kann. Ein Hersteller, der „nur“ einzelne Inhaltsstoffe ersetzt, ist viel leichter kopierbar. Zum anderen ist da der „Beyond-Meat-Effekt“: Die Geldgeber sehen natürlich den Hype um Start-ups, die mit Fleischalternativen stark wachsen und es geschafft haben, diese massentauglich zu machen, unter anderem über den Bereich Foodservice. Das zeigt sich auch in den Multiples dieser Unternehmen. In der Kategorie „Käse“ gibt es noch viel Potenzial, da noch niemand den großen Wurf geschafft hat. Für die Investoren ist das natürlich ein Lockmittel.
Vielen Dank für deine Einschätzung!

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