„Es wird in der SHK-Branche gar nicht anders gehen als mit BIM.“ Interview mit Dr. Constantin Greiner

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Autor
Marisa Elsäßer

INTERVIEW

„Es wird in der SHK-Branche gar nicht anders gehen als mit BIM.“ Interview mit Dr. Constantin Greiner

Interview mit Dr. Constantin Greiner.

Dr. Constantin Greiner leitet den Geschäftsbereich Bau bei Munich Strategy und berät Unternehmen des gehobenen Mittelstands der Bauzulieferindustrie. In der gemeinsam mit dem ZVSHK durchgeführten Studie „SHK-Branche im BIM-Check“ untersucht er die Chancen und Herausforderungen für BIM in der deutschen SHK-Branche. In der November-Ausgabe der RAS wurde er zur Studie befragt.

“Ein BIM-Unternehmen muss auch das Thema ‚Daten und Datenservice‘ als USP kommunizieren.”

Dr. Constantin Greiner

Herr Greiner, Sie haben in der Studie „SHK-Branche im BIM-Check“ analysiert, welche Bedeutung Building Information Modeling für die deutsche SHK-Branche hat. Was war der Anlass der Studie?
Greiner: BIM ist heute in der Bauindustrie zu einem fast alltagsgebräuchlichen Begriff geworden. Wer ihn verwendet, zeigt, dass er auf der Höhe der Zeit ist und sich auf die Zukunft einstellt. Gleichzeitig gibt es sehr unterschiedliche Vorstellungen darüber, was BIM eigentlich ist, geschweige denn, in der Zukunft sein soll. Dabei geht es bei BIM um nicht weniger als eine fundamentale Transformation des Bauwesens. Grund genug, sich dem Thema objektiv und aus einer 360°-Perspektive zu nähern.
Sie sagen, dass sich BIM in der SHK-Branche durchsetzen wird? Wie kommen Sie zu dieser Einschätzung?
Greiner: Es wird gar nicht anders gehen als mit BIM. Zum einen wird die deutsche Industrie abgehängt, wenn sie sich BIM verweigert. Denn der der Blick ins Ausland, zum Beispiel nach Holland, UK oder Skandinavien, zeigt: dort ist man schon viel weiter, Deutschland ist nur BIM-Schwellenland. Aus anderen Ländern wissen wir auch, dass man mit BIM effizienter, günstiger und schneller baut. Mit der schwachen Produktivität der Baubranche, dem fehlenden Wohnraum und dem Fachkräftemangel im Handwerk prallen so viele Faktoren aufeinander, dass ein Supergau nur mithilfe der Digitalisierung verhindert werden kann. Ganz einfach: Es muss sich etwas ändern, deshalb wird sich auch etwas ändern.
Der Baubranche wird oft ein gewisser Traditionalismus nachgesagt. Ist das der Grund, warum sich BIM – trotz der von Ihnen vorhergesagten Einsparungspotenziale – noch nicht flächendeckend durchgesetzt hat? 
Greiner: Wir haben festgestellt, dass es nicht nur die Gewohnheiten, sondern durchaus auch anwendungsbezogene Gründe sind, warum BIM derzeit noch nicht weiter verbreitet ist. Nur im Zusammenspiel aller Gruppen – insbesondere von Herstellern, Architekten und Handwerkern – kann die BIM-Transformation der Branche gelingen. Hier liegen auch genau die Herausforderungen. Das Verständnis davon, wie Daten im eigenen Unternehmen und vor allem über das eigene Unternehmen hinaus genutzt werden, ist gering. Auch die technischen Voraussetzungen in der Kommunikation, z.B. Datenformate, Schnittstellen etc. sind noch deutlich verbesserungswürdig.
Hersteller, Architekten und Handwerker sind also Ihrer Ansicht nach gleichermaßen in der Pflicht. Reicht es nicht, wenn die Hersteller und Architekten sich umstellen? Dann müssen doch die Handwerker automatisch den Weg mitgehen. 
Greiner: Für das Handwerk reicht es nicht aus, diese passive Rolle einzunehmen. BIM ist nicht einfach eine Software, die man verwendet oder nicht. Wir sagen sogar: BIM ist eine Einstellung. Dafür braucht es ein Verständnis für die eigenen Prozesse, ein Verständnis für Daten – auch über Produktdaten hinaus – und geschulte Mitarbeiter. Das oft vorgebrachte Argument, dass das Handwerk hier am „Ende der Nahrungskette“ stehe und auf die Herstel-ler angewiesen sei, lassen wir nur bedingt gelten. Allerdings ist auch richtig, dass die Hersteller mit BIM die Chance haben, sich neu beim Verarbeiter zu positionieren.
Sie sagen, dass SHK-Hersteller in Zukunft zum ‚Datenlieferanten‘ werden müssen. Wie gelingt der Schritt in diese Richtung? 
Greiner: Die meisten Unternehmen verfügen schon über sehr umfangreiche Produktdaten, das reicht aber nicht aus. Wesentlich ist, dass die Struktur der Daten sowie die Formate auf die Anforderungen der jeweiligen Zielgruppen ausgerichtet sind und dass der Zugang einfach und für alle Beteiligten klar ist. So gesehen haben viele Unternehmen eher ein ‚Kommunikationsproblem‘ als ein ‚Datenproblem‘. Dazu passt auch, dass das Marketing der meisten Hersteller derzeit nur auf Produkte und Dienstleistungen ausgerichtet ist. Ein BIM-Unternehmen muss aber auch das Thema „Daten und Datenservice“ als USP kommunizieren!
Das vollständige Interview mit Dr. Constantin Greiner lesen Sie im aktuellen RAS eJournal.

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Marisa
Elsäßer

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