European Construction Quarterly: „Der Markt stabilisiert sich, aber von Erholung kann noch keine Rede sein.“

Segment Insights: Fire & Safety Products & Services
31. März 2026
Segment Insights: Fire & Safety Products & Services
31. März 2026
Autor
Marisa Elsäßer

INTERVIEW

European Construction Quarterly: „Der Markt stabilisiert sich, aber von Erholung kann noch keine Rede sein.“ Interview mit Dr. Constantin Greiner

Interview

Mit dem aktuellen European Construction Quarterly liefert Munich Strategy einen kompakten Überblick über die jüngsten Entwicklungen in der europäischen Bauindustrie. Im Gespräch ordnet Dr. Constantin Greiner, Experte für den Bausektor, die wichtigsten Trends ein, erklärt, warum sich der Markt zwar stabilisiert, aber noch nicht erholt, und zeigt auf, worauf sich Bauunternehmen jetzt strategisch fokussieren sollten.

„Das Marktumfeld ist deutlich anspruchsvoller geworden – wer heute erfolgreich sein will, muss sich klarer positionieren als noch vor wenigen Jahren.”

Dr. Constantin Greiner, Co-Head Building, Construction & Infrastructure Europe bei Munich Strategy

Herr Greiner, der neue Quarterly Report ist erschienen. Was ist die wichtigste Botschaft?
Greiner: Die wichtigste Botschaft ist: Es machte den Anschein, dass sich die Märkte stabilisieren, aber wir sehen noch keine echte Erholung. Nach mehreren schwachen Quartalen verschlechtern sich viele Kennzahlen nicht mehr so stark, aber die Nachfrage bleibt fragil, die Rahmenbedingungen sind angespannt und viele Marktteilnehmer agieren weiterhin sehr vorsichtig.
Was sind aktuell die zentralen Treiber dieser Entwicklung?
Greiner: Es sind vor allem drei Faktoren: Erstens bleiben die Zinsen eine strukturelle Belastung, insbesondere im Wohnungsbau. Zweitens sind die Projektpipelines vieler Unternehmen nach wie vor dünn, weil in den letzten 12 bis 18 Monaten zahlreiche Projekte verschoben oder gestoppt wurden. Und drittens sorgt die anhaltende Unsicherheit, wirtschaftlich wie geopolitisch, für Zurückhaltung bei Investitionen.
Sehen Sie Unterschiede zwischen Segmenten?
Greiner: Ja, sehr deutlich. Infrastruktur und energiebezogene Bauaktivitäten zeigen sich vergleichsweise robust, vor allem durch öffentliche Investitionen und langfristige Programme. Der Wohnungsbau steht dagegen europaweit weiter unter Druck – obwohl die Nachfrage, speziell nach leistbarem Wohnraum ungebremste hoch ist. Der gewerbliche Bau liegt dazwischen und entwickelt sich je nach Nutzungsklasse sehr unterschiedlich.
Wo liegen derzeit die größten Chancen für Bauunternehmen?
Greiner: Es gilt die einfache Logik: Entscheidend ist, wo aktuell investiert wird.
Konkret sehen wir derzeit insbesondere zwei Bereiche:
Erstens alle Aktivitäten rund um die Erneuerung und den Ausbau der Infrastruktur, in allen europäischen Regionen. Dazu zählen im Speziellen Projekte im Kontext der Energiewende.
Zweitens die Renovierung im Hochbau, vor allem im Zusammenhang mit energetischer Gebäudesanierung.
Gleichzeitig beobachten wir jedoch, dass die Anforderungen an die Leistungsfähigkeit der Unternehmen deutlich steigen. „Value for Money“ wird zunehmend zum entscheidenden Kriterium. Wer an den bestehenden Chancen partizipieren möchte, muss sich heute deutlich stärker differenzieren als noch vor drei Jahren. Das Marktumfeld ist spürbar rauer geworden.
Worauf sollten sich Unternehmen in den nächsten 6 bis 12 Monaten konzentrieren?
Greiner: Auf Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit. Das heißt: konsequentes Kostenmanagement, eine klare strategische Positionierung und Konzentration auf die Felder, in denen das Unternehmen Überlegenheit gegenüber dem Wettbewerb erzielen kann.
Kostenabbau ist häufig notwendig, wird aber allein nicht reichen.
Zum Abschluss: Sind Sie optimistisch?
Greiner: Auch wenn es so scheint, dass es kaum Anlass für Optimismus gibt, bleibe ich vorsichtig zuversichtlich. Der strukturell hohe Bedarf, sowohl im Neubau als auch in der Renovierung, bleibt bestehen. Gleichzeitig sehen wir erste leicht positive Signale, etwa bei den Neuzulassungen im Hochbau. Entscheidend wird jedoch sein, dass die neu genehmigten Bauvorhaben auch tatsächlich umgesetzt werden und nicht aufgrund galoppierender Zinsen wieder „kassiert“ werden.
Vielen Dank für Ihre Einschätzung!
Weitere Einblicke, detaillierte Marktdaten und strategische Implikationen finden Sie im vollständigen European Building & Construction Quarterly Report: Zum Report.

Ihr Ansprechpartner

t +49 – 89 – 1250 1590
presse@munich-strategy.com
Dr. Constantin
Greiner

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